"Schluss mit dem Sanierungschaos bei den Berliner Bädern" - Offener Brief an die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten

Schluss mit dem Sanierungschaos bei den Berliner Bädern!


Schwimmerinnen und Schwimmer in Berlin sind verzweifelt, Steuerzahler wären es
ebenfalls, wenn sie von den Zuständen in den Berliner Bädern wüssten. Leider sind
diese jedoch selten Gegenstand der öffentlichen Diskussion. Obwohl hier erhebliche
Steuergelder verschwendet werden.
Das halten Sie für übertrieben? Wir, der Verband der Berliner Bäderbesucher
(VdBBB e.V.), bitten Sie: schauen Sie genau hin. Die Situation der Berliner Bäder ist
aus unserer Sicht für eine Metropole untragbar. Wir schlagen vor: beginnen Sie dort,
wo es finanziell besonders weh tut – bei den Bau-und Sanierungsvorhaben, die durch
die Berliner Bäderbetriebe gesteuert werden.
Zur Illustration vier Beispiele aus den letzten Monaten:


1. Stadtbad Charlottenburg Neue Halle
Im November 2019 wurde festgestellt, dass die Decke der Neuen Halle
sanierungsbedürftig ist.
Diese Sanierung hatte niemand im Management der Bäderbetriebe abgesehen, daher
blieb die Halle ungeplant etwa ein halbes Jahr geschlossen. Kurz vor der
Wiedereröffnung der Halle nach der Sommerpause 2021 erfahren wir nun: die Halle
muss erneut geschlossen bleiben. Grund: Schäden an der Decke. Über das Ausmaß
von Dauer und Kosten der Sanierung einer jüngst sanierten Decke können die
Bäderbetriebe derzeit keine Auskunft geben.
Kostensteigerung: nicht transparent, ursprünglich war jedoch gar keine Sanierung geplant,
unvorhergesehene Zeitverzögerung


2. Stadtbad Tiergarten
Seit Juni 2019 für eine umfangreiche Sanierung in Höhe von über 12 Millionen Euro
geschlossen. Es handelt sich hier um ein stark frequentiertes Bad im Zentrum der
Hauptstadt. Die Möglichkeit eines Neubaus wurde unseres Wissens nicht per
Machbarkeitsgutachten untersucht, die Entscheidung des Managements der
Bäderbetriebe fiel für eine Sanierung im Bestand. Die Halle sollte im Herbst 2021
wieder öffnen. Auf unsere Nachfrage teilten die Bäderbetriebe mit, dass sich die
Eröffnung auf «Frühjahr 2022» verschiebe. Die Kosten seien auf über 15 Millionen
Euro gestiegen. Über die Verzögerung und die Gründe dafür können wir keine aktiv verbreiteten Informationen der Bäderbetriebe für die Öffentlichkeit finden. Dies verwundert, da die Bäderbetriebe einen sehr aktiven Mediensprecher auf ihrer Lohnliste haben, der positive Nachrichten ausgesprochen liebevoll publizistisch aufarbeitet. Kostensteigerung: von 12 Millionen Euro auf über 15 Millionen Euro
Zeitverzögerung: etwa sechs Monate (nach heutigem Wissen).


3. Schwimmhalle Helene-Weigel-Platz
In Marzahn-Hellersdorf ist die Situation besonders dramatisch: Der Bezirk verfügt
über kein Freibad und ist daher auch in den Sommermonaten auf die Schwimmhallen
angewiesen.
Angekündigt war eine Schließung der zentralen Halle von etwa drei Monaten,
tatsächlich geschlossen blieb sie für zwei Jahre. Der Grund: das Management der
Bäderbetriebehatte die aus unserer Sicht unkonventionelle Idee, eine Edelstahlwanne in ein
bestehendes gefliestes Schwimmbecken einzubauen. Als die Arbeiten begannen, entdeckte man
zur Überraschung der Zuständigen, dass am Beton unter dem Becken erhebliche Schäden bestehen (die Halle wurde in den 1980er Jahren in der DDR erbaut und die Bausubstanz wurde bereits bei einer früheren Sanierung bemängelt). Daher musste ungeplant der Beton entfernt werden. In Medienmitteilungen der BBB wurde blumig
geschildert, wie mühevoll der entfernte Beton von Hand abtransportiert werden musste. Warum die BBB nicht in der Lage waren, sich vor Sanierungsbeginn ein Bild vom zu sanierenden Objekt zu verschaffen, blieb in den Mitteilungen unerwähnt.
Kostensteigerung: von 2 auf 5,1 Millionen Euro
Zeitverzögerung: ca. 21 Monate


4. Paracelsus-Bad
Ein weiteres Sanierungsvorhaben der Bäderbetriebe, erneut ist man überrascht
worden von einer deutlich schlechter als erwarteten Bausubstanz. Die Folge: die
Sanierung des Bades dauert bis 2023 (ursprünglich angekündigt: 2021). Die Kosten
haben sich mehr als verdoppelt. Kostensteigerung: von 7 Millionen Euro auf 17
Millionen Euro
Zeitverzögerung: 24 Monate


Sehr geehrte Kandidatin, sehr geehrter Kandidat, wie bewerten Sie diese Serie von
Pleiten, Pfusch und Pannen beim Sanieren der Berliner Bäder?
Wie erklären Sie dem Steuerzahler, warum reihenweise Kostensteigerung und
Einnahmeverluste durch nicht gelungene Sanierungsvorhaben durch die öffentliche
Hand zu verschmerzen sind?
Halten Sie diesen Umstand für vertretbar?
Wenn nein, was konkret werden Sie persönlich tun, um die Situation zu verbessern, sobald Sie in Verantwortung eines politischen Amtes sind?Was werden Sie tun, damit der Aufsichtsrat – demnächst aus Steuergeldern honoriert – seinen gesetzlich vorgesehenen Aufgaben nachkommt, und tatsächlich Aufsicht
übt?
Unser Vorschlag: sorgen Sie dafür, dass das Management der Bäderbetriebe entlastet wird. Dieses scheint bereits stark gefordert, den Betrieb der Bäder aufrecht zu erhalten, was sich etwa an Personalmangel und unzuverlässigen Öffnungszeiten ablesen lässt. Sorgen Sie dafür, dass die Bau- und Sanierungsmaßnahmen von denjenigen übernommen werden, die in der Verwaltung Berlins damit Erfahrung haben und erfolgreich sind.
Wir sehen Ihrer Antwort mit Interesse entgegen.

Der Offene Brief wird auch
ausgewählten Medien zur Verfügung gestellt.